Ausbruch aus dem Alltagstrott: Ende unserer Reise und Fazit
- Desi

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Wir verabschieden uns mit ein ein paar Tränchen in den Augen von unseren Freunden Petra und Piet und lassen die Niederlande hinter uns. Unsere Reise geht zu Ende und wir machen uns schweren Herzens langsam aber sicher auf den Nachhauseweg.

Wir schieben noch spontan einen Besuch auf der Caravan Messe in Bremen ein (weil wir ja unterwegs noch nicht genug erlebt haben 😇). Immerhin sind wir uns sicher: wir brauchen unbedingt ein Reisegefährt, denn das Reisefieber hat uns nun definitiv beide gepackt. Wir schlendern also einen Tag lang durch die Hallen und sind erst inspiriert von der unglaublichen Auswahl an Fahrzeugen, dann irgendwann erschlagen 😅. Wir lassen es also gut sein, fahren zu einem kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz bei einem großen Supermarkt und bei einem Restaurant, wo wir uns am Abend ein Feierabend-Bierchen gönnen.

Dort im Restaurant lernen wir den Bruder des Restaurant-Chefs kennen, der auf dessen Feierabend wartet, denn der hatte tags darauf Geburtstag und sie wollten hinein feiern. Wir unterhielten uns und amüsierten uns köstlich, weshalb wir kurzerhand auf die gemeinsame Feier eingeladen wurden. Wir begleiteten also die beiden sowie die Kellnerin, die ebenfalls Feierabend hatte, mit zu einer Tischfußball-Bar und hatten einen lustigen Abend.

Übrigens begleiten wir nicht einfach so irgendwelche Menschen, bleiben vorsichtig und ein bisschen skeptisch, aber versuchen uns auf unser Gespür zu verlassen. Bis jetzt konnten wir uns immer gut darauf berufen und freuen uns, dass wir bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht haben.


Nach einen etwas schlappen Vormittag hangeln wir uns gemütlich Richtung Süden. Zunächst stoppen wir am Ölschnitzsee im Frankenwald. Ein kleiner, süßer See mit einem schönen Wald und verwunschenen Straßen, die dort hinführen. Nach Bremen suchten wir eine Nacht Abgeschiedenheit und ergatterten ein Plätzchen nur für uns.
Weiter geht es für eine Nacht nach Bayreuth auf einen kostenlosen Stellplatz mitten in der Stadt, denn wir müssen wieder einmal Wäschewaschen und in Bayreuth fanden wir den nächsten Waschsalon. Für einen Städtebummel sind wir aber zu müde und die Zeit fehlt uns auch.
So bleibt es bei einem auswärtigen Abendessen mit echter Neapolitanischer Pizza direkt am Tennisplatz, der fußläufig für uns erreichbar ist. Mario liebt ja Pizza über alles, deshalb testen wir gerne lokale Pizzerien. Unser Fazit: 5/5 Sternen! Kleiner Geheimtipp von uns: Enzo's Pizzabar!
Und weil wir auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz Richtung Tirol noch auf den Freistaat Megastore in Sulzemoos stoßen, verbringen wir nach einer Übernachtung auf deren kostenlosen Parkplatz noch einen Tag auf dem Gelände, um völlig überfordert und reizüberflutet durch die großen Händler-Reihen schlendern und alles genau begutachten.

Außerdem gibt's noch einen Video-Call mit Petra, die Geburtstag hat und für die wir extra "Happy Birthday" auf Holländisch einstudiert haben. Piet hat das Geschenk für sie super versteckt und sie im Call heimlich damit überrascht. Das war ein ganz wundervoller Moment, der uns alle sehr gefreut hat!

Es geht für uns nun aber endgültig in die Heimat. Wir beschließen, noch eine Nacht am Reintaler See auf einem Campingplatz zu verbringen und die letzte Zeit noch richtig zu genießen.
Als Kind habe ich oft Zeit mit meiner Oma und meinem Bruder am Reintaler See verbracht, wo wir gerne schwimmen gingen. Es war wirklich schön, hier mit Mario zu sitzen und einfach mal nix zu tun.


Wir genießen das Wetter, die Ruhe und den See, spazieren ein bisschen auf und ab und sitzen einfach nur da, um die letzten 8 Wochen sacken zu lassen, ehe wir das Fahrzeug geputzt am nächsten Tag wieder zurückgeben.
Wir haben unglaublich viel erlebt und das meiste realisiert man erst im Nachhinein. Wir haben so viele Destinationen in unsere Route gepackt, viele tolle Menschen getroffen, atemberaubende Naturlandschaften erlebt und süße Städtchen besucht.
Wir entschieden uns für einen Ausbruch aus dem Alltagstrott, der uns beide über die Jahre mürbe gemacht und ausgelaugt hat. Und wir haben absolut Feuer gefangen! Keiner von uns beiden wollte wieder ins alte Leben zurück. Aber wir hatten keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. Zuhause wartete ein Leben, das uns nicht gefiel.
Für Mario war die Reise eine Inspiration: so ein Leben möchte er führen. Für ihn war völlig klar, dass wir alle Möglichkeiten haben, unser Leben so zu ändern, wie es uns gefiel.

Ich hatte damit sehr zu kämpfen. Wozu habe ich all die Jahre gearbeitet, studiert, gewisse Vorstellungen zu Ziele verfolgt - wenn sie am Ende nur in eine Sackgasse führen? Mir fehlte das Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten, immerhin hatte ich wohl einige Fehlentscheidungen getroffen, die mich in ein Burnout geführt hatten.
Heute, ein halbes Jahr später, schreibe ich diesen Beitrag im Nachhinein und stehe völlig anders da. Es war wunderschön, in Erinnerungen zu schwelgen und die Reise noch einmal zu durchleben. Ich sehe vieles lockerer und habe wieder Vertrauen in mich.
Mario und ich haben endlich eine gemeinsame Richtung und Motivation, und ohne diese Reise, ohne den Fernweh-Inni wäre das nicht möglich gewesen.
Entsprechend traurig war der Abschied von unserem Gefährt(en), das uns Zuhause war, Arbeitsplatz, Höhle und Rückzugsort. Er hat uns sicher an all unsere Wunschziele gebracht und war genauso spontan wie wir. Wir haben ihn mit all unserer Liebe geputzt und mit schwerem Herzen übergeben. Ihr merkt schon: Heimweh war nie unser Problem 😉.
Danke an dieser Stelle all den lieben Menschen, die wir getroffen haben, danke Anita für's Gießen unserer Pflanzen während unserer Reise, danke Evelyn für's Kümmern ums Grab, und danke Tom für die Möglichkeit, mit einem deiner Schiffe Nord-Europa für längere Zeit erkunden zu können!
Wir sehen, was die Zukunft bringt, aber eines sei verraten: wir werden sicher nicht zu Hause sitzen bleiben, sondern wollen weiter die Welt unsicher machen 🚐.




Kommentare