Warum die lange Blog-Pause?
- Desi

- 5. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Lange gab es nun eine Blog-Pause. Seit November 2025 sind wir zurück in Tirol. Viel ist passiert. Warum die lange Pause? Nun, reisen macht auch müde. Ich war irgendwann einfach zu müde zum Weiterschreiben. Ich machte mir zu viele Gedanken um die Qualität der Artikel, um die Fotos, um die Rückreise.
Ab der Hälfte unserer zwei-monatigen Reise schlich sich die Panik ein: ich will nicht zurück nach Hause. Die Sorgen kreisten sich um die Rückkehr. Leider hatten wir in unserer Wohnung fast drei Jahre Nachbarschaftsterror. Unerträgliches Getrampel und Türenknallen mit einem Geräuschpegel von teilweise bis zu 80dB verstörten uns beinahe täglich, auch manchmal bis Mitternacht. Versuche, Gespräche zu führen, scheiterten. Weder Polizei noch Hausverwaltung konnten (oder wollten) uns helfen.
Schließlich gipfelte alles in einem tätlichen Angriff gegen Mario kurz vor unserer Reise, der lediglich bei besagtem Nachbar läutete und hatte kaum "Hallo, können wir reden?" gesagt, als dieser mit wüsten Beschimpfungen auf ihn losging und ihn schließlich zu Boden stieß. Geprelltes Handgelenk. Na schönen Dank auch! Eine Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei, Fahren in die Klinik und Besuch beim Hausarzt und der damit einhergehende psychische Stress machten uns die letzten Tage vor unserer Reise natürlich nicht einfacher.
Wir bekamen während unserer Reise eine Nachricht vom Anwalt, dass ein Gerichtstermin für Februar angesetzt wurde. Ab diesem Zeitpunkt war Panik mein täglicher Begleiter. Ich hatte das ungute Gefühl, dass wir - obwohl wir vollends im Recht waren und nichts falsch gemacht hatten - diesen Prozess verlieren werden. Und ich wollte auf keinen Fall an einen Ort zurück, der uns psychisch an unsere Grenzen brachte. Das Bloggen machte mir mehr Stress als Spaß, denn mein Überlebensinstinkt sagte mir jeden Tag: "Bloß nicht zurück dorthin!".
Ich wollte meinen Kopf austricksten und mir sagen: nach unserer Rückkehr werde ich in Ruhe nachposten. Aber das klappte natürlich nicht. Leider fanden wir zurück in unserer Wohnung kaum Erholung und ich wollte einfach nur so schnell wie möglich wieder weg! Unter mir tat sich ein tiefes Loch auf. Wie soll es weitergehen? Sollen wir einfach Wohnung wechseln? Wenn ja, wohin? Wie finanzieren? Was arbeiten? Haben wir im Moment überhaupt die Kraft, solche Entscheidungen zu treffen?
Ich versuchte mich zusätzlich von einer Erschöpfungsdepression zu erholen, umgangssprachlich auch Burnout genannt und war deswegen im Sommer 2025 sogar auf Reha. Die Reise sollte uns Abstand geben, neue Eindrücke und Freude bringen und unsere Aufmerksamkeit wieder zurück zum Positiven lenken. Bei mir klappte das mehr mäßig als gut. War der tägliche Lärm Schuld an meinem Burnout? Auf keinen Fall zu 100%, aber es machte einen großen Batzen aus. Denn wir hatten oft schlecht geschlafen, wurden durch Getrampel wach und ich hatte massive Alpträume. Ich wurde sogar teilweise von lauten Geräuschen wach, die gar nicht da waren. Hinzu kam vor 2 Jahren noch ein Tinnitus.
Ich versuchte mich mit Hobbys abzulenken und wieder mehr zu malen und zu basteln. Kaufte mir Bücher. Befasste mich mit mir selbst. Die Zeit verging, Februar kam. Und unfassbar, aber leider wahr: wir haben den Gerichtsprozess verloren. Aussage gegen Aussage, obwohl eine offensichtliche und ärztlich bestätigte Verletzung vorlag. Ehrlich gesagt ist das eine Riesen-Sauerei, ungerecht und einfach falsch. Weder Polizei noch Gericht haben korrekt gehandelt. Gespräche mit anderen Leidtragenden zeigen: leider keine Seltenheit.
Wir haben lange darüber nachgedacht, wie es weitergeht. Sollen wir darüber sprechen? Bringt es was? Was erhoffen wir uns davon?
Ich wollte lieber schweigen, aber wenn jeder schweigt, ändert sich auch nichts. Ich erhoffe mir nichts von diesem Beitrag, aber ich möchte erzählen, was uns widerfahren ist, denn ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ähnliches durchmachen und die sich ebenso wie wir weder gehört noch verstanden fühlen. Respekt für einander? Fehlanzeige!
Aber eines kann ich sagen: egal was passiert, ich sammle in Zukunft meine Kräfte und meine Haut wird täglich dicker. Mag sein, dass ich mal wieder aus der Bahn geworfen werde, aber ich komme zurück. Schneller und stärker als zuvor. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir alle besser in uns hinein hören und uns gegenseitig mehr respektieren. Ich fange mal bei mir selbst an.
Und an alle da draußen, die das lesen und sich wiederfinden: sprecht darüber, schreibt uns, tauschen wir uns aus. Wir sind nicht alleine - ihr seid es auch nicht.
Alles Liebe, Desi & Mario



Liebe Desi, ich hab Dich ja damals bei einer Skitour auf der Bramberger Hütte kennengelernt und schon da dein sanftes, zartes Wesen erfassen können. Ich selber kann auf eine ähnliche Nachbarschaft Streit Thematik in Tirol zurückgreifen- Mein Learning, solche „Wesen“ ändern sich nie - man muss sich einfach abwenden . Ich wünsche Euch gute Entscheidungen. Herzliche Grüße Sonja
Liebe Desi, lieber Mario
Ich wünsche euch viel Kraft um eine Entscheidung zu treffen, wie es für euch weitergeht, und mit der ihr euch beide wieder wohl fühlt! Ich persönlich finde, dass man nicht immer „stark“ sein muss… fühl dich von einer Leidensgenossin gedrückt!
Schön dass ihr wieder da seid
Schön, dass du wieder schreibst. Das Leben ist eine Reise. Manchmal mit Umwegen, aber immer mit weiterem Weg nach vorn.
Schön, dass du wieder schreibst! Das Leben ist eine Reise. Manchmal mit Umwegen, aber immer mit weiterem Weg nach vorn.