Dänemark: wandernder Leuchtturm und Meereskollisionen
- Desi

- vor 4 Stunden
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Als uns spät am Abend die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals bringt, verfliegt die Wehmut, Norwegen verlassen zu haben, doch relativ schnell. Wir möchten nämlich den Norden Dänemarks entdecken und suchen uns einen Stellplatz in der Nähe von Skagen, dem nördlichsten Zipfel von Dänemark und gleichzeitig den Ort, wo Nordsee und Ostsee aufeinander treffen.
Die Straßen sind dunkel und kilometerweit wirklich pfeilsgerade. Es gibt keine Straßenbeleuchtung. Wir fahren gefühlt ins Nirgendwo, bis wir Skagen erreichen, um uns noch mit Lebensmitteln zu versorgen. Wir übernachten am Camper-Parkplatz in Skagen. Es regnet, die Wettervorhersage ist für die kommenden Tage nass und windig. Das steht unserem Abenteuer aber nicht im Wege. Mit einer Reismahlzeit im Bauch und einer Folge "Vikings" geht es für uns ab in die Federn.

Wir nutzen am nächsten Vormittag eine Regenpause, um die Küste bei Grenen zu erkunden. Jeder Meter ist spannend und bring Neues für uns zum Vorschein. Laut Regenradar haben wir eine knappe Stunde Zeit, bevor der nächste Guss kommt. Aber vor lauter entdecken und schauen und staunen vergessen wir etwas die Zeit...


Nun heißt es, so schnell wie möglich zurück zum Auto, denn eine längere Front soll kommen. Wir sind zwar bereits bis auf jeden Zentimeter nass, aber der Wind bringt Kälte und was wir gerade nicht brauchen können, ist eine Erkältung.

Trotzdem fühlen wir uns gerade wie Kinder, lachen und staunen und freuen uns über den Regen im Gesicht (auch wenn uns etwas kalt ist). Durch den unterschiedlichen Salzgehalt der beiden Meere kommt es zu keiner Vermischung und man sieht sehr deutlich, wie beide Meere eine unterschiedliche Farbe haben und wie sie aufeinander prallen.

Auch an dieser Küste gibt es Bunker, es gibt regen Frachtschiffsverkehr und wir beobachten mit Faszination die Kormorane. Da sie kein wasserabweisendes Gefieder haben, um im Wasser schneller und tiefer tauchen zu können, müssen sie dieses an Land immer wieder trocknen.

Zurück im "Inni" heißt es erstmal für uns: heiß duschen, trockene Klamotten und die nassen Sachen aufhängen. Dank der schnellen Gasheizung ist das aber kein Problem. Wir hatten die ganze Nacht durchgeheizt, sodass das Wasser im Boiler schon gut temperiert war. Mit einer Kleinwohnung auf Rädern ist selbst das wilde Wetter an der Küste kein Problem!
Nach der wohltuenden Dusche konnten wir unsere Sachen im Bad aufhängen und die Heizung laufen lassen. Bereits nach 1 Stunde war alles wieder so gut wie trocken. Und da es sowieso regnete und für uns Zeit zum Mittagessen wurde, konnten wir uns Zeit lassen.
MIttags gab es bei uns meist ein gegrilltes Sandwich oder eine schnelle Suppe. Alles an Ort und Stelle dabei zu haben, war einfach der beste Luxus für uns! Außerdem war es sehr entspannend, dem Prasseln des Regens zuzuhören. Höhlenfeeling pur!

Das Wetter meinte es aber noch einmal gut mit uns, der Regen hörte wieder auf und es sollte bis zum Abend hin trocken bleiben. Wir nutzten die Zeit, um Skagen zu erkunden. In der Stadt gibt es je nach Saison auch kostenlose Parkplätze für einige Stunden. Das reicht für einen Stadtbummel meist aus.




Wir bummeln durch den entzückenden Ort Skagen und das einzige, das uns zurück zum Auto treibt, ist der kalte Wind. Wir konnten uns im Inni gut aufwärmen, trotzdem froren wir nach zwei, drei Stunden Spaziergang wieder etwas.
Da wir bereits Anfang November hatten und viele Geschäfte und Cafés geschlossen hatten, war eine kurze Einkehr nicht möglich. Trotzdem hat uns Skagen sehr gut gefallen! Es war entspannt und ruhig und sehr gepflegt.
Wir fuhren zurück zum Camping-Parkplatz für eine weitere Nacht, um uns am kommenden Tag zum Leuchtturm Rubjerg Knude aufzumachen.
Nach einem gemütlichen Abend und einem Telefonat mit der Familie zu Hause ging es recht bald in die Federn für uns.
Wir starteten am nächsten Tag früh und nahmen noch ein besonderes Juwel auf dem Weg zum Rubjerg Knude Fyr mit: die versandete Kirche Sankt Laurentius. Ein zufälliger Fund auf Google Maps, aber einen Besuch sowas von wert!


Dänemark hat immer wieder mit Versandung zu kämpfen, zu sehen unter anderem an dieser Kirche. Da sie nach mehreren heftigen Stürmen durch Flugsand versank, wurde das Kirchenschiff Anfang 1800 abgerissen, der Kirchturm blieb jedoch bestehen.
Ich möchte noch einen weiteren Zwischenstopp mitnehmen: den Palm Beach in Frederikshavn. Hier sollen wunderschöne Palmen den Strand zieren. Liegt zwar nicht auf unserem Weg, aber wir sind ja mobil.
Etwas ernüchtert stellen wir jedoch fest, dass die Palmen über die Winterzeit ausgegraben und überwintert werden. Also: kein Palm Beach für uns...


Trotzdem bezaubert von der Umgebung geht es nach einem Küstenspaziergang weiter für uns. Wir machen uns auf zu einer der größten Wanderdünen Europas, wo ein Leuchtturm auf Wanderschaft geht. Vielleicht kennen einige von euch den Rubjer Knude Fyr, der 2019 unter spektakulären Maßnahmen umgesiedelt wurde. Mit Hilfe von Schienen wurde der Turm ca. 70 Meter weiter ins Landesinnere befördert.


Bis in die späten 1960er Jahren kämpfte der Turm immer wieder gegen Sandflucht und die Dünen an. 1968 wurde er schließlich stillgelegt, da er über die Dünen nicht mehr hinwegstrahlen konnte.





Der Leuchtturm soll nun für die nächsten 30 Jahre an seinem Platz bleiben, ehe wieder auf Schiene gebracht werden muss.
Man kann rund um den Leuchtturm gut parken und es gibt auch ein kleines Info-Ständchen zum Leuchtturm mit Wissensfragen.
Nicht nur der Leuchtturm selbst ist einen Ausflug wert, sondern auch der Weg dorthin! Wir sind es nicht gewohnt, dass ein Wanderweg zur Hälfte aus Sand besteht. Besonders in der tiefstehenden Hebstsonne bietet dieser Ort ein Erlebnis für die Sinne.
Für uns geht es nach diesem Tag nach Løkken auf einen Campingplatz. Dort machen wir eine ganz besondere Bekanntschaft mit einem zutraulichen Vöglein. Diese Geschichte gibt es beim nächsten Mal. Vi ses!



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