Stavanger: von Wikingerschwertern und Regenbögen
- Desi

- 18. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Dez. 2025

Unsere weitere Reise von Bergen nach Stavanger planten wir über die Route 48 via Mundheim - also nicht über die direkte Fährenroute, sondern einen großen Teil via Landweg. Wir wollten so viel wie möglich von der Landschaft aufsaugen und haben uns deshalb für diesen Umweg über Küstenroute entschieden. Autofahren in Norwegen ist sowieso sehr entspannend (sofern man es nicht super eilig hat!) - auf vielen Wegen kann man nur max. 70-80 km/h fahren, was aber nicht schlimm ist, denn so hat man Zeit, die atemberaubende Natur besser aufzusaugen! Weiter von Mundheim ging es für uns nach Hodnanes, wo wir dank der kurzen Fährenüberfahrt trotz Zwischenstopp relativ schnell in Jektevik waren. Ungefähr 20 min dauert die gesamte Fahrt.



Praktisch: Mit dem e-Autopass werden sowohl Mautgebühren als auch Fähren innerhalb von Norwegen bequem über das Kennzeichen abgerechnet.

Von Jektevik aus ging es für uns dann in einem Rutsch weiter nach Leirvik, wo wir den Campingplatz Sponavik anfuhren. Dieser ist kuschelig, familiär und sehr entspannt geführt. Wir durften uns mit unserem vergleichbar kompaktem Innovan 600 von Fernweh-Camper zwischen große Luxusmobile der einheimischen Campinggäste gesellen und eine lustige Nacht verbringen. Es wurde wieder mal Zeit für's Wäschewaschen und wie bei uns ja mittlerweile die Regel ist, gibt es dabei Schwierigkeiten 😂 - also beim Trocknen! Wir luden also eine Ladung Wäsche in die Maschine und nutzten die Wartezeit für einen schönen Uferspaziergang, der mit dem Abendlich wirklich sehr romantisch war.


Übrigens kann man am Campingplatz eine Sauna mit Hafenblick mieten! So klein der Campingplatz auch ist - umgebungstechnisch ist er wirklich hinreißend! Die guten Eindrücke hebten unsere Laune - was wir auch brauchten. Denn die Wäsche wartete.
Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwand, sanken die Temperaturen und entsprechend wurde am Campingplatz brav geheizt. Oft mit Strom. Die meisten Gäste saßen zu zehnt in Vorzelten und hatten Elektroöfen an. Ihr ahnt, worauf wir hinaus wollen? Jedenfalls stopften wir unsere frisch gewaschene und duftende Wäsche in den Trockner, kochten uns ein leckeres Gemüsereis-Gericht zu Abend und wunderten uns, warum unser kleiner Elektroheizer plötzlich ausging. Aha, Sicherung raus? Ein Blick zur Tür raus offenbarte: der ganze Platz war ohne Strom. Hauptsicherung raus. Also auch: Trockner aus. Prozere nochmal starten, sobald die Hauptsicherung wieder ein war. Wir lachen, der Besitzer lacht, die Campinggäste lachen. Bis nach etwa 20 min wieder Dunkelheit am Platz herrscht. Ja, wieder flog die Hauptsicherung. Wieder musste der Trockner von neuem gestartet werden. Und leider ging das Ganze auch noch ein drittes Mal so. Mittlerweile hatten wir einen dritten Trocken-Zyklus gestartet, es war kurz nach 22 Uhr abend. Zu waschen hatten wir um kurz vor 18 Uhr begonnen. Jaja, da hilft nur lachen, Bierchen trinken und ein schokoladiger Snack 😄. Trockner-Strapazen gehörten bei uns mittlerweile zum Progamm!
Sehr lieb: beim Check-Out am nächsten Morgen wurden uns die Extrakosten für's Trocknen und Waschen natürlich wieder gutgeschrieben und wir hatten noch einen lustigen und netten Plausch mit dem Besitzer. So ist das beim Campen: irgendwas geht halt schief, und da hilft dann nur gute Laune. Ich muss schmunzeln, als ich das hier schreibe, also alles halb so wild.
Lächelnd starteten wir den Inni und machten uns auf Richtung Stavanger! Voller Vorfreude durchfuhren wir die unglaubliche Gegend auf der E39 und kamen aus dem Staunen kaum heraus! Besonders gut gefiel uns die Gegend zwischen Vestland und Rogaland, wo wir bei einem Zwischenstopp zum Pausemachen spontan eine kleine Wanderung zum wunderschönen Husavatnet machten. Wir nutzten die Zeit für ein kleines Fotoshooting, ehe es zu regnen begann, und machten uns weiter auf den Weg nach Stavanger.


Irgendwie waren wir auch froh, dass es dann regnete - denn man verliert sich so schnell in der Landschaft und schwupps, schon sind einige Stunden um. So waren wir gezwungen, weiter unseres Weges zu fahren und uns auf zu unserem nächsten Ziel zu machen: zum Arsvågen Hafen, wo uns die nächste Fähre nach Mortavika auf Rennesøy bringen sollte. Die Überfahrt war wieder unglaublich schön und ließ unsere Fotografenherzen höher schlagen. Aber seht selbst 😇.





Als wir auf Insel Rennesøy angekommen waren, fiel uns sofort die besondere Stimmung und Landschaft ins Auge: irgendwie anders als in Rogaland, sehr ländlich und sehr charmant! So stellten wir uns die Schottischen Inseln vor. Da musste natürlich noch einmal Rast gemacht werden!


Wir freuten uns wie Kinder über die ganzen schönen Muscheln, die sumpfigen, sattgrünen Wiesen und die entschleunigte Ruhe dort. Es war einfach traumhaft...

Nun sollte es aber ohne Umwege weiter zur Stadt Stavanger gehen. Dank diverser Parking-Apps konnten wir einen guten Parkplatz direkt am Hafen mit Möglichkeit zur Übernachtung finden. Und wie es das Glück so wollte, wurde gerade beim Einfahren in die Hafenbucht ein Plätzchen für uns frei! Vielen herzlichen Dank an der Stelle an die zwei lieben deutschen Mädels, die uns darauf aufmerksam machten ❤️.

Trotz leichtem Nieselwetter machten wir uns mit einer schnellen Jause im Bauch auf in die Stadt. Diese hat etwa 150.000 Einwohner und ist kompakt gebaut, sodass man bequem alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen kann. Stavanger ist eine der ältesten Städte Norwegens - sie erhielt ihr Stadtrecht vermutlich um 1125 durch Sigurd Jorsalfarer. Sie vereint historischen Charme, wildromantischen Hafenstadtcharakter, moderne Gastronomie und künstlerische Szenen. Dabei war Stavanger lange Zeit eine sehr arme Stadt. Signifikantes Bevölkerungswachstum erfuhr sie erst ab 1800 durch die Heringsfischerei, Schifffahrt und Konservenherstellung. Nach der Entdeckung des Öls wuchs Stavanger schnell zur Energiehauptstadt Norwegens und verzeichnete auch bald großes Interesse von Touristen. Heute ist Stavanger ein überaus beliebtes Reiseziel. Wer übrigens Wert auf Sterneküche legt, ist in Stavanger goldrichtig: mehrere Michelin-Köche kochen hier.
Apropos Energiehauptstadt: 2026 sollen bereits Elektroflugzeuge zum Einsatz kommen, die Passagiere von Stavanger nach Bergen bringen sollen und umgekehrt.
Und wir nehmen euch nun mit durch Stavanger und wünschen viel Spaß beim Fotoschauen!



Wir waren vollends begeistert und freuten uns über den gefühlt x-ten Regenbogen, den wir an diesem Tag zu Gesicht bekamen. Entlang des Skagenkaien war richtig was los, viele Jugendliche sangen lauthals zur Partymusik in einer Sportbar und dank des Kreuzfahrtschiffes "Vasco da Gama", das angelegt hatte, war die Stadt gut besucht mit Touristen. Zum Glück war es aber überschaubar und wir konnten in aller Seelenruhe gemächlich durch die Gassen schlendern und das bunte Treiben auf uns wirken lassen.




Am meisten haben und die drei berühmten Schwerter im Fels am Hafrsfjord gefallen, die 10 Meter hoch und aus massiver Bronze gefertigt sind. Sie stehen für Frieden, Einheit und Freiheit und wurden 1983 von König Olav enthüllt, gefertigt hat sie der Künstler Fritz Røed. Hinter den Schwertern verbirgt sich eine blutige aber auch, wenn man so will, romantische Geschichte. Norwegen war im 8. Jahrhundert in mehrere Königreiche aufgeteilt, ehe es unter König Harald Schönhaar I. vereint wurde. 872 erfolgte die entscheidende Schlacht am Hafrsfjord, die Norwegen zur Einheit führte - dabei aber viele Menschenleben forderte. Und wo ist hier nun die Romantik? Nun ja, Harald wollte seine geliebte Gyda heiraten, diese wollte aber nur in die Ehe einwilligen, wenn Harald König von ganz Norwegen werden würde. Und so entstand eine Schlacht um Einheit, die letztendlich auch in der Ehe zwischen Gyda und Harald gipfelte und heute für die Vereinigung des Südostens, Südwestens und des Nordens von Norwegen steht.
Für uns endet der Tag in Stavanger mit dieser beeindruckenden Sehenswürdigkeit. Unser Weg führt uns für den Abend nach Osten, denn vor uns steht eine berühmte und sehr bekannte Wanderung. Dazu aber im nächsten Blogartikel mehr. In diesem Sinne: gehabt euch wohl und immer schön friedlich bleiben 😉. Ha det!




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