Ostsee-Zauber und der Geist der Wikinger
- Desi

- 5. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Okt. 2025

Nach dem Abschied von Mädes ging es für uns weiter Richtung Norden, genauer gesagt Glücksburg. Ein ganz nördliches Örtchen an der Küste der Ostsee. Mit einem Nächtigungsstopp in Lehrte auf einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz ging es direkt nach Norden an einen schönen Campingplatz an der Küste. Wir lernen täglich Neues über das Leben im Wohnmobil und so manche Herausforderung ist dann doch neu für uns. So kamen wir auf die glorreiche Idee, Zwiebel anzubraten, und witzigerweise hat uns Mädes noch auf die Position des Rauchmelders im Wohnmobil aufmerksam gemacht. Müde und hungrig vergisst man dann doch manchmal das Naheliegende, und irgendwann piepste es dann ganz arg laut. Lektion gelernt 😇.

Glücksburg zu erreichen war eine Mammut-Aufgabe; ein fetter Stau um Hamburg durch eine Straßensperrung, dadurch eine Umleitung auf der dann auch noch ein Unfall war. Kurz: zweieinhalb Stunden Stop-and-Go für 45 Kilometer verlangten uns den letzten Rest Geduld ab. Gefühlt Gott und die Welt verstopfte an diesem Tag halb Hamburg. Aber Mario, der sich im Beifahrersitz pudelwohl fühlt, versorgte uns mit Getränken, Süßkram gegen den Frust und einer guten Playlist. Mit dem richtigen Menschen dabei wird selbst der zäheste Stau irgendwie machbar 💪🏼.

Abenteuer Wäschewaschen (und -trocknen)
Endlich in Glücksburg angekommen blieben wir zwei Nächte und durften uns gleich mit dem nächsten Thema auseinandersetzen: Wäsche waschen. Nach fast 2 Wochen wurde der Schmutzwäscheberg doch beachtlich. Zeit zu waschen also. Viele Campingplätze haben ja die Möglichkeit, zu waschen und zu trocknen. Das Waschen hat super funktioniert, das Trocknen nicht so.
Zunächst dauerte der Trockenprozess ewig! Als noch eine Restlaufzeit von wenigen Minuten am Display stand, warteten wir brav und plötzlich verlängerte sich die Zeit wieder auf über 20 Minuten. Das Spiel spielten wir dann dreimal so, bis wir das Programm abbrachen. Holla die Waldfee, als wir die Trocknertür öffneten, kam uns ein Gestank entgegen, das kann man sich nicht ausdenken! Wir zwei Spezialisten hatten vorher noch nie einen Trockner benutzt, und natürlich nicht das Flusensieb geprüft. Wir sind einfach davon ausgegangen, dass es der letzte Nutzer gereinigt hatte.
Also Wäsche nochmal waschen. Der Trockner war uns jetzt natürlich suspekt, also lieber lufttrocknen. Aber wo hängt man Wäsche von zwei Menschen von fast 2 Wochen auf? Für die Markise war es zu windig, und Wäscheständer gab es auch nicht. Also: so viele Wäscheleinen wie möglich durchs ganze Wohnmobil spannen! Das alleine war schon eine Aufgabe, und wir hatten gerade so alles platz. Selbstverständlich wurde nichts trocken, es fehlte Sonnenlicht und der Wind, der durch die offenen Türen zog, half auch nicht sonderlich. Dann doch lieber nochmal Trockner.


Also, alles abhängen und auf zum Waschraum. Neuer Versuch. Eine freundliche Campingplatzgästin hatte uns dann ganz lieb aufgeklärt, wie man das Flusensieb am besten reinigt, danke an der Stelle <3.
Diesmal hat alles super geklappt, der Mief war weg und die Wäsche frisch.
Nach diesem Abenteuer gab’s erstmal Burger, diesmal im Freien am Trangia. Das Piepen des Rauchmelders steckte uns noch in den Knochen.
Die schmeckten dafür umso besser und da es für den nächsten Tag nach einem wunderschönen Sonnenaufgang aussah, stellten wir früh genug den Wecker, um uns dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen.


Wir waren zunächst ganz allein am Strand, die Sonne blinzelte langsam hervor, nur ein paar Spaziergänger gesellten sich nach und nach an die Küste. Es ist magisch, fast schon heilig, von welcher Seite sich die Natur zeigt. Das Leben ist schön!
Für uns ging es nach Mittag weiter Richtung Norden, denn unser großes Reiseziel ist Norwegen. Bevor wir uns erstmal aber nach Dänemark weiter hangelten, machten wir noch einmal einen Zwischenstopp in Flensburg zum Einkaufen und Gas auffüllen. Gut bepackt mit Gasadapter, Lebensmitteln und viel guter Laune ging es auf nach Dänemark.
Unser Ziel war es, relativ zügig mit nur einem Zwischenstopp das Land zu durchfahren, denn der Winter bahnte sich langsam in den Höhen an und bevor es zu kalt und eisig werden sollte, wollten wir lieber noch den Herbst in Norwegen genießen.


Auf den Spuren der Wikinger
Als Wikinger-Liebhaberin mussten wir einen besonderen Stopp noch mitnehmen: den Wikingerfriedhof Lindholm Høje. Alsob wir einen besonderen Deal mit dem Gott der Fotografie abgeschlossen hätten, kam bei unserem Aufenthalt dort gerade die goldene Herbstsonne mit etwas Wolkendurchzug hervorgelacht und bescherte uns das schönste Licht, das man sich nur wünschen konnte.

Dass ein Feld voller vermeintlicher Steinhaufen so eine besondere und ruhige Atmosphäre haben kann, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Wir fragten uns, wie es vor über 1000 Jahren wohl dort ausgesehen haben muss, wie die Menschen lebten, wie sie aussahen, was sie beschäftigte. Es war berührend und tröstlich.



Nur der bizarre Anblick der Türme und Fabrikschornsteine von Nørresundby im Hintergrund waren merkwürdig. Die Vergangenheit und die Gegenwart auf einem Blick.
Wir übernachteten auf einem Stellplatz in Brønderslev, um am nächsten Tag weiter mit der Fähre von Hirtshals nach Kristiansand zu übersetzen. Ein abendlicher Spaziergang durch den Rhododendron-Park versüßte uns den Abend. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht mit gutem Schlaf.
Am nächsten Tag wollten wir noch am Laptop arbeiten, da wir erst gegen Abend in Hirtshals sein mussten. Mario lernte aber unsere Stellplatznachbarn kennen, zwei wirklich liebe Belgier, die gerade von Norwegen kamen, und so kamen wir durch einen langen und herzlichen Plausch erst zwei Stunden später dazu.

Ich lache schon immer, wenn Mario sich wieder mal mit jemandem unterhält, denn das ist typisch. Die Fahrt nach Hirtshals war ruhig und zügig. Wir nutzten die Reisezeit für einen Crash-Kurs-Podcast in Norwegisch. Dieser wird uns bereits in kurzer Zeit den ersten Eisbrecher bescheren.
Vor Fähren-Check-In in Hirtshals konnte ich noch die verlorene Arbeitszeit aufholen. Das eigentliche Abenteuer beginnt hier: Norge! Was waren wir aufgeregt!
Aber das ist eine Geschichte für’s nächste Mal! Ha det bra!




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